Archiv der Kategorie: Texte

Freitag Nacht

von Ropa

Laura lag in ihrem Bett. Verkroch sich unter der Decke. Sie wollte nichts hören. Nichts! Nicht das leise Wimmern ihrer großen Schwester Stefanie die unter ihr im Stockbett lag. Nicht die dumpfen Geräusches des Streits die von draußen durch ihre Zimmertüre drangen. Sie wollte all das nicht hören.
Sie wollte nur schlafen. Einschlafen und sich ganz weit weg träumen. Doch wie jede Freitag Nacht konnte sie nicht.
Sie presste ihren kleinen blauen Stoffelefanten ganz eng an sich, bis ihre Fingerspitzen weiß wurden. Doch auch das half nicht wirklich.
Der Streit draußen wurde immer lauter – immer lauter. Wie jede Freitag Nacht.
Sie hörte wie ihre Mutter kurz aufschrie. Ein dumpfes Poltern.
Es knarrte laut. Die Tür ging auf.
Laura drückte den Elefanten noch enger an sich.
Stefanie war nicht mehr zu hören. Sie hatte vorhin kurz gejappst aber jetzt war sie still. Nichts. Nicht einmal mehr ihr Atem war zu hören.
Dafür hörte Laura den Atem ihres Vaters. Und seine Schritte. Er kam näher, fluchte leise.
Und dann der Geruch. Sogar durch die Bettdecke konnte sie ihn riechen. Es war der Geruch nach Freitag Nacht. Immer roch es gleich.
Sie wollte, dass es aufhörte. Dass er wieder ging. Dass alles vorbei wäre. Der Geruch und die Geräusche aufhören würden. Sie wollte schlafen.
Ein Klappern wie Metall auf Metall. Dann das Zippen eines Reißverschlusses. Die ganze Zeit über sein Gemurmel und Geflüster. So laut. So unendlich laut. Wie jede Freitag Nacht.
Sie ließ ihren Elefanten los um sich die Ohren zuzuhalten, doch auch das half nichts.
Ein Stolpern. Das Klacken eines Ringes am Holz des Bettes. Ein Rucken ging durch das Bett. Sie krallte sich wieder in ihren Elefanten.
Das Bett ruckelte erneut. Er war jetzt unter ihr. Stefanie wimmerte wieder.
Es war eine kleine Erleichterung sie wieder zu hören. Laura war nicht alleine.
Sein Atem war schwer. Der Geruch wurde unerträglich.
Er flüsterte immer noch. Sie konnte ihn nicht verstehen, die Decke saugte seine Worte auf. Doch es war nicht mehr so wütend. Lieblich. Lockend. Versprechen. Wie jede Freitag Nacht.
Haut auf Haut. Haut auf Haar. Immer wieder die gleichen Geräusche. Sie hielt die Luft an. Stefanie auch. Nur noch er war zu hören. Wie er flüsterte und streichelte. So laut … so unglaublich laut.
Das Bett fing an zu wackeln.
Vor zurück vor zurück vor zurück.
Er hatte aufgehört zu flüstern. Sein Atem wurde schwerer, schneller. Keuchen.
Stefanie wimmerte.
Vor zurück. Wimmern. Vor zurück. Wimmern. Immer im Takt. Wie jede Freitag Nacht. Immer im Takt. Vor zurück. Wimmern. Vor zurück. Wimmern.
Dann hörte das Ruckeln auf. Das Bett stieß nicht mehr an die Wand. Stefanie wimmerte immer noch. Ganz ohne Takt.
Er flüsterte wieder. Stand auf. Ein kurzes Klappern von Metall. Rascheln von Stoff. Die Tür. Schritte. Noch eine Türe. Stille.
Nur noch ihr Atem der heiß von der Decke wiederhallte. Stefanies Wimmern. Sonst nichts.
Es war vorbei. Wie jede Freitag Nacht.
Sie wollte schlafen. Endlich hier weg, wenn auch nur im Traum. Ihre Finger waren immer noch in den Elefanten verkrallt. Weiß.
Das Wimmern. Immer leiser. Immer erstickter.
Schlafen einfach schlafen. Doch sie konnte nicht.
Sie krabbelte zur Leiter. Kletterte hinunter. Den Elefanten eng an sich gepresst.
Es war dunkel. Sie konnte sehen, dass Stefanie in der Ecke zusammengerollt lag. Kletterte zu ihr ins Bett. Es war nass. Klebrig.
Stefanie zuckte zusammen, als sie sich an sie drückte, zögerte sie kurz. Dann drehte sie sich zu Laura um und streichelte ihr behutsam durchs Haar.
„Du bist ja noch wach?“ meinte sie leise, ein wenig erstickt. Sie drückten sich eng aneinander. Klammerten sich wie zwei Ertrinkende aneinander. Spürten ihren Atem gegenseitig auf der Haut.
Nein diesmal war es nicht wie jede Freitag Nacht.

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Lautloses Portrait.

von Mirjam

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Ein Mann regnet. Er fasst sich an das kahle Haar. Er hört Stimmen, Schreie. Er stummt.
Manchmal ist er Maler, dann drückt er seine Daumen in die Farbe und malt Straßen ohne Halt und manchmal kleine Finger in seine Haut. Sie klaffen, reißen. Sie atmen, wenn er schläft.

Eine Frau liegt wach. Manchmal schreit sie. Sie schreit, wenn er nicht da ist.
Sie stopft sich die Faust in den Mund. Sie schreibt,

sie schreibt, sie erbricht. Sie kotzt leere Augen, kalte Hände. Sie schreibt.
In ihren Adern ist Krieg und auch eine schwindende Schlacht, die doch längst verloren ist. Ihr Pulsschlag ist Revolte gegen inhaftierte Scherben, wo Sezession schon irreal ist.
Wenn er trinkt, dann lacht er. Sein Lachen bricht in ihrem Mund. Es verbrennt auf ihrer Zunge. Sie sammelt die Asche und vergräbt sie hinter dem Haus.

Hinter dem Haus liegt ein Kind.

Es stummt.

Kieferbruch im Supermarkt ist nichts gegen Kopfschuss auf offener Straße; ach, ich will jetzt mal eine mit Ravioli

von theatralisch

Wer ballert sich da  so eifrig durch Berrys Kopf,
das ist doch der Angel, der ihm da hält die
Knarre an seinen bestürzten Kopf.

So oder so ähnlich fing das Drama an, das sich am vorherigen Sonntag zugetragen hat. Es war kein Drama der Extraklasse, denn dann hätte wenigstens etwas Musik im Hintergrund spielen müssen; vorzugsweise Jazz oder eine andere Schwuchtelscheiße. Das passt nämlich am besten zu Hacke und Beil oder eben zu Knarre und Faust.

Oft genug fand ich mich morgens halb ausgetrockend, weil ich die ganze Nacht gekotzt und am Klodeckel geklebt habe, am Fußboden wieder und ich schluckte die letzten Reste runter, die sich in meinem Hals befanden. Oh, niemand will wirklich wissen, was das für Reste waren und wer einigermaßen passabel assoziieren kann, der wird es auf eigene Faust ganz leicht herausfinden.

Einmal in meinem Leben bin ich einem Typ namens Jim gegenübergestanden, der in eben diesem seichten Moment nichts anderes vorzubringen hatte als „Hallo, I’m Jim.“ worauf ich „Igualmente.“ erwiderte. Der Trottel sprach zwar fließend Englisch, aber kein Spanisch, demzufolge wusste er nicht, dass ich laut dieser Ansage, ebenfalls Jim heißen musste.

Man, meine Kehle brennt mir so lichterloh, wie schon lange nicht mehr. Manchmal habe ich das Gefühl, ich muss nicht mich, sondern einfach nur meine Kehle ertränken. Dann passt das schon. Dieser Jim lebt heute vermutlich nicht mehr, weil er meinte, er könnte sich mit mir anlegen.

Wir pokerten erst eine Runde und ich trieb ihn sichtlich in den Ruin. Irgendwann stand ich auf und verabschiedete mich auf das Pisshaus. Jim sah mich knurrend an und sagte „You haven’t told me your name yet. Let me know. I’m Jim.“ worauf ich erwiderte „Oh, I know your name, but I told you mine too. Bye.“ Ich spürte noch eine ganze Weile seinen lodernden Blick in meinen Rücken, während ich mich recht besoffen die Treppenstufen hochzog und irgendwann vor einer weißen Schüssel stehen blieb, um mich zu entwässern. Kurze Zeit später spürte ich eine kräftige Hand auf meiner Schulter, obschon ich gar niemanden kommen hörte.
„Hey you.“ hieß es. „Do you want to fuck with me. I have no AIDS or something like that.“ hieß es weiter. Ich drehte mich um und lachte schallend, als ich Jim erblickte, der anscheinend auf kleine Buben zu stehen schien. Er starrte mich an und war gerade dazu im Begriffe, meinen Schwanz zu berühren. Ich klatschte ihm kräftig auf seine dreckigen ungeschickten Pokerhände und meinte bereits im Abflug „I’m not gay, I’m straight. I guess you should know that.“

Seitdem halte ich mich fern von diesen verpissten Engländern. Entweder sie sind stockschwul oder sie lassen dich nicht ran, sofern sie Frauen sind.

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Der Geschmack von Schokolade

von Struppigel

Unser narbengesichtiger Chef stand schon seit zwei Stunden mitten in der knöchelhohen Schlammpfütze und brüllte Befehle. „Los, los, bewegt eure Ärsche! Eine Reihe! Liegestütze!“ Wir hatten die Wassereimer am 500 Schritt entfernten Fluss gefüllt, Feuerholz gesammelt, waren danach mehrere Runden um den Hof gerannt, hatten die Trittfallen überprüft und die Scheißhaufen von der Lagerstelle entfernt. Der Chef war nicht zu bremsen. Schuld daran war nur das Essen. Das Essen, das immer fehlte. Das Narbengesicht meinte, es läge an unserer Kondition. Mehr Kondition bedeutete mehr Essen. Essen bedeutete alles. „Schneller, nicht so schlapp!“ Mein Körper funktionierte automatisch. Hoch, runter, hoch, runter und immer wieder titschte ich dabei mit dem Gesicht in den Schlamm. Einige der anderen hatten bestimmt bessere Stellen erwischt. Ich sah zu meinem Nebenmann. Krebskopf grinste mich an, verzog sein Gesicht aber gleich wieder angestrengt. Weiter hinten kippte einer der drei Neuen um, die vorgestern zu uns gestoßen waren. Sie hatten ganz abgerissen ausgesehen, aber wir konnten jeden hier gebrauchen. Es war sogar eine Frau unter ihnen. Narbengesicht trat schnurstracks aus seiner Pfütze, ging auf den Schlappschwanz zu und schlug ihm mit seinem glänzenden Metallknüppel auf den Rücken. Ich glaubte, etwas knacken zu hören. „Aufstehen!“, brüllte Narbengesicht „Wegbringen!“. Wir erhoben uns. Einige schleppten den am Boden Liegenden in die Grube, die anderen fläzten sich auf die Baumstämme an unserer Feuerstelle oder gingen pissen. Der Schmerz in meinen Gliedern und meinem leeren Magen machte sich bemerkbar. Ich musste mich ablenken.
Im zerfallenen Haus neben dem Hof schnappte ich mir eins der zahlreichen Bücher, die ich schon gestern durchstöbert hatte. Nicht alle waren gut erhalten. Ein Loch in der Wand und zwei an der Decke hatten sie teilweise der Witterung ausgesetzt. Die Bücher mit den Abbildungen von Essen gehörten allein dem Chef. Eines davon hatte er selbst beim Schlafen dabei. Manchmal ließ er sich daraus vorlesen. Nur zwei aus unserer Truppe konnten das: Stummel und Krebskopf. Das Buch von Narbengesicht trug den Namen „Schokolade – Rezepte aus aller Welt“. Ich fand das Gelesene langweilig. Aber die Bilder, die ich bisher hatte erhaschen können, sahen ansprechend aus. Vor allem solche mit den roten, gepunkteten Erdbeeren drauf. Narbengesicht predigte manchmal davon. Wir sollten uns anstrengen und nach Höherem streben. Irgendwann würden wir auch Schokolade essen können, spätestens aber nach dem Tod. Krebskopf meinte, der Chef hätte einmal ein Stück davon genascht. Seitdem wüsste er, was der Himmel auf Erden sei. Ich wurde den Gedanken nicht los, dass es die Schokolade in Wirklichkeit gar nicht gab und nie gegeben hatte, dass sie nur ein Irrglaube war, der uns funktionieren lassen sollte. Ein Traum von gut schmeckendem Schlamm und davon, dass das Unangenehme auch angenehm sein konnte.
Wir alle träumten manchmal solchen Paradies-Quatsch neben den zerfetzenden Bildern, die jeden quälten. Dann wollte man ihn um alles in der Welt festhalten und nicht vergessen, wollte ihn real werden lassen. Der Zwang zu behalten, konnte einen Glauben machen, alles wäre wirklich da gewesen. Vielleicht war dem Narbengesicht so etwas passiert. Aber das sprach ich nicht aus. Sie alle lauschten ihm immer gebannt, wenn er von der Schokolade schwärmte, die verschiedenen Sorten runterbetete, von Zartbitter- über Nuss- bis Vollmilchschokolade. Sogar weiße Schokolade sollte es geben, aber die sei minderwertig, nichts im Vergleich zu dem sinnlichen Kakao in der braunen Masse. Was „sinnlich“ bedeutete und was „Kakao“ war, wusste ich nicht.
Ich fand in dem Haus ein Buch aus Plastik mit großen Bildern darin und ergötze mich an ihnen. Da waren kleine Menschen drauf, viele bunte Dinge und vor allem Tiere. Wir hatten schon seit Wochen keine Tiere mehr gesehen, die wir hätten töten und schlachten können. Mir lief das Wasser im Mund zusammen.

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Am Rande der Fahnenflucht

von tausendschön

Vorgelesen von MagunSimurgh

Auf der Brücke fange ich an zu schwanken. Sonst tobt hier Wind, daß ich einen Grund habe, mich mit meinem großen Zeh am Bordstein festzuklammern und mit dem Haar im Zopf. Nicht heute. Die letzten Meter rutsche ich hinab. Auf der anderen Seite sind die Straßen weit. Altstadt (in der aus kleinen Räumen nackte Stimmen auf die Straße sich verflüchtigen, um dort auf das staubige Pflaster der engen Gassen zu sinken), warum starrst Du so auf meinen Hinterkopf, er ist verwechselbar und hat Dich bald vergessen. Ich lache aus: Eine Ratte verläßt das sinkende Schiff, das sie selbst ins Windloch gesteuert hat. Und hinter mir bekämpft die Stadt mit unzähligen Laternen die Nacht. Später liegt an ihrer statt ein fliegender Teppich aus Licht: Fiele ich rückwärts, finge er mich auf. Dennoch riskiere ich nichts.
Als es schließlich tagt, sind die Lichter abhanden gekommen, und vor mir steht die Öde. Der Hunger nagt schon wieder Löcher in die Erinnerung, und ich habe doch keinen Samen zu säen.

vielleicht sollten wir eine skizze dazu anfertigen, bis die geräusche des unbekannten uns überwältigen

von fiazzko

Unser Rhythmus ist durcheinander geraten, damit haben wir nicht gerechnet, als wir den Bahnhof betraten. Den Bahnhof, der von deinen Eitelkeiten und meinem unendlichen Anstand umgeben ist. Wir wissen doch gar nicht, was wir beide hier sollen. Hätten wir eine Chance, müssten wir uns nicht so sehr anstrengen, um an irgend etwas glauben zu können. Niemals haben wir andere Leute mit in unser Unglück gestürzt, doch jetzt ist es zu spät, um sich schützend vor sie zu stellen. Gehen wir ein paar Schritte, werden wir erkennen müssen, dass die Liebe für uns ein Biest ist, welches die Kämpfe mit uns genießt und uns nur deswegen am Leben lässt. Auf den Gleisen lag ein Mann, der uns ansah. Unser Kummer war sein Tod.

Rippenbohrend

von AnNa17

Ich meine, eigentlich ist es ja gewohnt.
Sitze auf diesem Stein und schaue.
Stehe, sitze, renne.
Orangenen Laternen nachschauend.
Nie war mir wirklich klar, was ich da durch die Luft werfe.
Kein Handyklingeln.
Ich hatte halt keine Lust. Immer soll.
Aber nur.
Und pustend beneide ich.
Es war das Gleichgültige.
Aber heute.
Zum ersten Mal spüre ich die
aufgeriebene Haut- die
Steinchen in meinem Schuh.

Schlangentanz [Won’t ya please be quiet, please.]

von para.gone

Die Kakophonie des Hupkonzertes vor ihrer Haustür versetzte ihrem jaulenden Hund einen mittelschweren Schlaganfall. Sie stiefelte über seinen längst verwesten Kadaver hinweg und setzte sich zu ihm in das Auto, das bereits seit zehn Minuten ihre Einfahrt versperrte. Aber der Adel kam eben immer zum Schluss.
Der hinter tosenden Sturmwolken verbogene Mond hätte ihr Haar gülden illuminiert, wenn er denn geschienen hätte, als sie die Tür zu dem zerfallenen Gebrauchtwagen öffnete und ihm einen Begrüßungskuss gab.

„Hey, Süße. Und, was machen wir heute?“ raunte er ihr ins Ohr, noch immer die sich hinter ihm bildende, züngelnde Wagenschlange ignorierend, und wartete auf ihr Zünglein in der Waage seiner Mundhöhle.
„Disco natürlich. Hey, was guckst du denn so? Willst du nicht?“
„Naja, ich dachte eher, wir machen uns ’nen Gemütlichen, aber wenn du gerne möchtest, können wir auch in die Disco.“
Flüchtige Gedanken flirrten durch ihr flackerndes Bewusstsein. Gefallen tun, Liebe demonstrieren, nachgeben? Beharren, Dominanz demonstrieren, fordern? Mit strategischem Flittchenlächeln blickte sie ihn ausdruckslos an. „Na gut, dann gehen wir zu dir.“
„Hey, aber nicht, dass du jetzt traurig bist. Schau mal, mir ist es eigentlich egal, ich will nur lieber mit dir kuscheln und an dir herum lecken, aber auch nur ein bisschen mehr, und wenn du jetzt viel mehr in die Disco willst, dann gehen wir auch dahin, weil’s mehr wiegt, wenn du es mehr willst. Wir messen also, äh, quasi den Betrag der Intensität deines Wollens an dem meiner, und, äh, so halt. Ach, mir egal.“
Die utilitaristischen Fremdworte hatte sie in ihrem Geiste geformt, mit ihrer Zungenspitze in seinen Mund konstruiert und auf dem Tonband ihrer kategorisierten Wahrnehmung abgespielt. „Gut, dann Disco.“

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Valle de la Luna

von BInspired

Valle de la Luna, P., Valle de la Luna. Ich gehe aus dem Licht, hinaus, auf den kleinen Balkon. Ich sage es nicht. Die Nacht ist satt und neu, sie riecht nach frischer Farbe; das vertrauliche Leuchten übertünchte sie sich, sie ließ es einfach fallen. Keinen Augenblick mehr verschwende ich nach oben. Ich kauere nieder zu den Sternen. Dieser Nacht verschweige ich mich. Valle de la Luna, P.

Die Lichter deiner Dunkelaugen, sie tanzten ihren Walzer
sanft auf mein Gesicht, strichen die Gitarren genüsslich
in das Grübchen hinein, die Ohrläppchen streiften sie
dann ein wenig schneller,
behutsam, denn sie wollten nichts verbrennen;
zu entfachen begehrten sie jedoch.
Und hätte ich ihn fangen können, diesen hellen Moment,
er junge als Sonnenaufgang aus deiner Hand;
und fing ich ihn auch nicht,
ich wusste doch, dass ich ihn bei dir fand, und malte dir
die Morgensonne einfach in die Hand.

Ich kann dich mit den Zähnen knirschen sehen, P., und ich sehe, wie sich die Wasserflasche in deinen Händen dreht. Die Nacht warf heute ihre Sterne ab, sie liegen mit mir auf deinem Balkon; und nur hier kann ich dich mit den Zähnen knirschen sehen, nur hier halte ich es aus. Um mich musst du dich nicht sorgen, weißt du denn nicht: die Nacht warf ihre Sterne ab. Sie passen jetzt auf mich auf. Lass mich nur ein wenig weinen, P., und dann stehe ich wieder auf.

Drinnen spielst du das Didgeridoo, und ich weiß, du spielst es für mich. Dein Lied, es ist geliebte Haut. Lebe es um mich wie einen Arm, und ich friere nicht. Liebe es in mich, und ich weine nicht. Der Nacht glitten die Sterne aus, und sie fielen auf deinen kleinen Balkon; von all dem weißt du nichts. Spiel mir nur weiter das Lied. Derweil hänge ich die Sterne wieder auf. Valle de la Luna, P. Ich weiß, du spielst für mich.

fürsorge

von ungesagt

wann immer
du mich
bedroht siehst
von meinen abgründen
legst du mir
liebevoll eine schlinge
um den hals
mich beim sturz
zu packen