Schlangentanz [Won't ya please be quiet, please.]

21 05 2008

von para.gone

bild2Die Kakophonie des Hupkonzertes vor ihrer Haustür versetzte ihrem jaulenden Hund einen mittelschweren Schlaganfall. Sie stiefelte über seinen längst verwesten Kadaver hinweg und setzte sich zu ihm in das Auto, das bereits seit zehn Minuten ihre Einfahrt versperrte. Aber der Adel kam eben immer zum Schluss.
Der hinter tosenden Sturmwolken verbogene Mond hätte ihr Haar gülden illuminiert, wenn er denn geschienen hätte, als sie die Tür zu dem zerfallenen Gebrauchtwagen öffnete und ihm einen Begrüßungskuss gab.

„Hey, Süße. Und, was machen wir heute?“ raunte er ihr ins Ohr, noch immer die sich hinter ihm bildende, züngelnde Wagenschlange ignorierend, und wartete auf ihr Zünglein in der Waage seiner Mundhöhle.
„Disco natürlich. Hey, was guckst du denn so? Willst du nicht?“
„Naja, ich dachte eher, wir machen uns ‘nen Gemütlichen, aber wenn du gerne möchtest, können wir auch in die Disco.“
Flüchtige Gedanken flirrten durch ihr flackerndes Bewusstsein. Gefallen tun, Liebe demonstrieren, nachgeben? Beharren, Dominanz demonstrieren, fordern? Mit strategischem Flittchenlächeln blickte sie ihn ausdruckslos an. „Na gut, dann gehen wir zu dir.“
„Hey, aber nicht, dass du jetzt traurig bist. Schau mal, mir ist es eigentlich egal, ich will nur lieber mit dir kuscheln und an dir herum lecken, aber auch nur ein bisschen mehr, und wenn du jetzt viel mehr in die Disco willst, dann gehen wir auch dahin, weil’s mehr wiegt, wenn du es mehr willst. Wir messen also, äh, quasi den Betrag der Intensität deines Wollens an dem meiner, und, äh, so halt. Ach, mir egal.“
Die utilitaristischen Fremdworte hatte sie in ihrem Geiste geformt, mit ihrer Zungenspitze in seinen Mund konstruiert und auf dem Tonband ihrer kategorisierten Wahrnehmung abgespielt. „Gut, dann Disco.“

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