Uni all`Tag`

Ich bin in der Mensa, fülle meinen Becher mit Limonade. Den Strich, der 0,4 Liter markiert, beachte ich nicht und lasse ihn doch tatsächlich voll laufen, auf vielleicht 0,42 Liter. Dann will ich bezahlen und die gute Frau sieht mich schon so sensationsgeil mit ihrer Das-Müssen-Sie-Aber-Jetzt-Bezahlen-Fresse an. Ok. Sie Arschloch. Ich leg meine Karte hin, sie bucht ab, halb schmollend, halb irritiert, dass ich jetzt keine Debatte starte. Ich verschwinde mit Strohhalm und Deckel nun zum Laden um die Ecke.

Da war ich schon tausend Mal, deshalb weiß ich auch genau, wo alles liegt. Ich will nur Kaugummis und habe kein Kleingeld. Ich will jetzt aber trotzdem Kaugummis. Innerlich stampfe ich mit dem Fuß auf den Boden. Dann muss eben die Karte her, da starrt mich auch schon ein Faust-Gesicht an. Erst ab zehn Euro, sagt die Roboter-Stimme. Die Hand greift schon zum Mikro und will ihren Storno-Super-Satz, geübt langweilig, demonstrativ genervt so auf Die-Leute-Wissen-Einfach-Nicht-Was-Sie-Wollen-Tour loslassen, da sage ich mir schon Fuck You, greife in den Süßigkeitenhaufen, denke mir, das müsste jetzt aber mindestens den doppelten Wert haben. Selbstgefällig lege ich meine Karte hin und lasse den Betrag abbuchen. Danach bereue ich es. Zum Glück sind noch 0,02 Liter Brause und jetzt 1kg Schoki da.

Nun aber ab in die Vorlesung mit mir. Das hat alles wieder mal viel zu lange gedauert. Ich verspäte mich. Sorry deswegen. Die rechte Augenbraue meines Profs zuckt ein bißchen in Richtung Haaransatz. Ich begegne ihm mit meinem Nächste-Woche-Komme-Ich-Auf-Jeden-Fall-Pünktlich-Gesicht, dann gehe ich zu einem freien Platz und packe aus.

Es geht um den Genitiv, natürlich, total interessant. Es heißt nicht wegen dir, sondern deinetwegen. Immer diese Pedanterie überall. Ich schweife ab und denke an den Süßkram in meiner Tasche. Erstmal die Brause. Es röhrt. Scheiße, das Gefäß ist schon leer. Und das, obwohl ich den Strich nicht beachtet habe. Ich brauche einen Kaffee. Warum habe ich mir keinen Kaffee gekauft. Ich ärgere mich. Nachher gehe ich auf jeden Fall Kaffee kaufen. Zurück zum Genitiv. Die linke Hälfte meines Körpers wandert meiner Tasche hinterher. Hallo Schokoriegel. Es knistert. Jemand dreht sich um. Strebersau. Ich sehe seinen Haaransatz im Nacken. Jetzt will ich nicht mehr essen.

Wenn ich an den Tag denke, wird mir schlecht. Kann ich jetzt nicht auch so ein Mobiles Alles-Könner-Dingsda haben. Dann muss ich mich nicht mehr unterhalten und kann ganz legitim dauernd und besserwisserisch auf das Ding starren, Wikipedia aufrufen, mich bei jedem Satz melden und alles Verbessern, jedenfalls in dieser, der virtuellen Welt. Wir brauchen kein Lexikon mehr. Wir haben ja unsere Smartphones. Ach, scheiße. Ich bin kein Hass-Mensch.Ich bin beleidigt und schreibe den Rest der Veranstaltung mit Kuli auf Papier. So geht es doch am Besten. -

Jugendkolumne von ConstiAnn.

Rauhfaser

Erwachen.

Um den Verdacht mal wieder in andere Richtungen zu lenken. -

Erwachen” von Florian.

Respekt

Es ereignete sich, dass Menschen in meinem Beisein über Respekt diskutierten. Lässt man die nonverbalen, indirekten und unterschwelligen Attacken/Bauchpinseleien/Seitenhiebe/Anspielungen beiseite, so stößt man auf das magere Ergebnis, dass viele Leute die Ansicht zur Schau tragen, man müsse sich ihren Respekt zunächst einmal verdienen.

Das ist nicht weiter bemerkenswert, solange man dabei übersieht, dass ebendiese Leute selbst durchaus respektiert werden wollen, und zwar möglichst ohne vorherige Sonderleistungen. Bedenklich wird es, wenn man sich obendrein vorstellt, ein jeder Mensch würde sich eisern und beharrlich mit dieser Einstellung bewehren: Es liefe darauf hinaus, dass keiner dem Anderen von vornherein Respekt zollt. Auf diese Weise kann sich jedoch auch niemand spontan Respekt verdienen, und letztlich ist ohnehin kein Mensch mehr am Respekt des Anderen interessiert, weil Letzterer ja von vornherein respektlos war und somit selbst gar keine Achtung mehr verdient.

Oder habe ich da etwas Fundamentales missverstanden, und Respektlosigkeit ist am Ende gar nicht das Gegenteil von Respekt? (Im schlimmsten Fall habe ich sogar das Wort „Respekt“ fehlgedeutet, dann wäre sowieso alles für die Katz und man muss hoffen, dass sich nächsten Sonntag mal einer zusammenreißt und mit etwas Sinnvollem daherkommt.) Dann möchte ich aber zumindest wissen, wie man einen Menschen behandelt, bevor er sich als respektwürdig erwiesen hat.

Und wie müsste ich es, wenn wir weiterhin von dieser Theorie ausgehen, überhaupt anstellen, dass mich ein anderer Mensch als respektwürdig anerkennt? Soll ich es, der Einfachheit halber, erst einmal damit probieren, ihm meinerseits mit einem grundlegenden Maß an Respekt zu begegnen? Das wäre eine Möglichkeit. Aus meiner Sicht wäre sie allerdings ungerecht; in einer Welt, in der man sich den Respekt seines Gegenübers erst verdienen muss, will ich ja wohl nicht der Erste und Einzige sein, der von vornherein und ohne irgendwelche Auflagen blindlings Respekt zollt! Das bringt meine Rangordnungen völlig durcheinander, insofern, als ich dann sofort ganz unten wäre, und dann ist es sowieso ganz aus mit dem Respekt. Womit diese Option auch gestorben wäre.

Nächster Versuch: Vielleicht besteht die Lösung in einem praktischen Zufall: Es soll ja Leute geben, die, einfach so, eine „Respekt einflößende Art“ an sich haben. Dazu müssen sie, sofern ich alles kapiert habe, noch nicht einmal den Mund aufmachen. Das ist so eine Ausstrahlungssache.

Hier allerdings gerate ich schon wieder in Definitionsbedrängnis: Wenn noch nicht einmal geklärt ist, was Respekt (geschweige denn sein Gegenteil) im Einzelnen bedeutet, wie soll ich mir dann jemals eine Person vorstellen, die inhärent Respekt einflößend ist? Gibt es denn, umgekehrt, auch Personen, die einem spontan Respektlosigkeit einflößen?

Wo, um Himmels willen, ist die Quelle des natürlichen und unverdienten Respekts?

Ich mache mich umgehend auf die Suche. Falls sie sich zufällig in einem Wald befindet, kann es sogar sein, dass ich auf ein Einhorn treffe, das sich darin spiegelt. Und dann begreife ich vielleicht schlagartig, was Respekt ist.-

Sonntagskolumne von modedroge.

Rauhfaser

und das aggressive – Straßenlyrik Bremerhaven” von Lena.

Savignon

Unser Lesetipp (junge) Literatur für diese Woche:

Zugfenster“ von Savignon.

Herzlichen Glückwunsch

Alles Liebe und Gute zum Geburtstag, Lena.

Fasnet

„Als was verkleidest du dich?“, fragten mich Sophie und Luis gestern, während ich das Mittagessen für die Kinder in der Kita zubereitete.
„Hm, ich weiß es noch nicht genau, entweder als Pirat oder Indianer. Wisst ihr es schon?“
„Ich gehe als Prinzessin mit einer goldenen Krone“, meinte Sophie.
„Ich als Cowboy mit einer Pistole die echt schießt“, sagte Luis.

Der Höhepunkt der Fastnacht oder, wie man bei uns zu sagen pflegt, “Fasnet” steht vor der Tür. Es werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Über die Theke des Einzelhandels gehen die letzten Kostüme und sonstige Faschingsutensilien wie die beliebten Haarfärbespraydosen, Musik- und Karnevalsvereine führen ihre letzten Proben vor den großen Straßenumzügen durch, Politiker und andere Machthaber werden in den verschiedenen Zunftabenden verhöhnt und verspottet und Polizei sowie Rettungsdienste und Krankenhäuser hoffen auf ruhig verlaufende Faschingstage, ohne groß ins Koma gesoffene Narren und Fastnachtsbegeisterte.

Ja, Alkohol ist eine krasse Nebenwirkung der fünften Jahreszeit. Viele Jecken und auch Fastnachtsbegeisterte denken, die Tradition mit Alkohol beschmutzen zu müssen. Klar sind die Gründe folgende: Alkohol macht Stimmung, Alkohol vertreibt Kälte und Alkohol lässt müde Glieder vergessen. Trotzdem plädiere ich, den Alkohol daheim zu lassen und ohne zu feiern, denn die Folgen der Übertreibung sind groß. Ihr macht damit nicht nur eurer Gesundheit kaputt, sondern auch zusätzliche Arbeit für die Rettungsdienste, Helfer, Stadtreinigung und dem Veranstalter.

Davon abgesehen, kann ich es trotzdem kaum erwarten, bis endlich der “Schmutzige Dunschtig”, so sagt man es bei uns in Südbaden, heranrückt. Traditionell fahre ich an diesen Tag in meine frühere Heimatstadt nach Staufen und sehe mir an, wie die Schelme den Bürgermeister aus seinem Amt schmeißen und abführen. In diesem Jahr kann ich mir dieses Schauspiel nicht ansehen, weil ich mit den Kindern in der Kita auf einen Hemtglunkerumzug, auch ein typischer Brauch im süddeutschen Raum, bei dem alle in der Regel ein weißes Nachthemd tragen, gehen muss. Dabei gefallen mir Hemtglunkerumzüge nicht, wegen den farblosen Kostümierungen. Schon gar nicht bei den aktuellen frostigen Temperaturen. Wie dem auch sei, am Wochenende und am Rosenmontag kann ich frei bestimmen, wo ich hinfahre und welche Umzüge ich mir anschauen werde. Am liebsten würde ich ja mal in die Karnevalshochburgen nach Mainz oder Köln fahren, nur fehlt mir dazu das nötige Geld. So werde ich die Auswahl auf Freiburg und die Umgebung beschränken. Immerhin haben wir auch wunderschöne Umzüge, bei denen es sich lohnt, dabei zu sein. Vor allem die unterschiedlichen Hexenzünfte, mit ihren faszinierenden, individuellen Masken und Kostümen sind echt sehenswert.

So, nun weiß ich im Übrigen auch, als was ich mich verkleiden werde, nämlich als Pirat.

Also in diesem Sinne: “Narri-Narro” oder schöne Fastnachtstage!  -

Gastkolumne von Tautropfen.

Rettet den Wettersmalltalk

Mit den meisten Menschen möchte man über unverfängliche Dinge reden. Dinge, bei denen man gemeinsam nicken kann, Dinge an denen man nichts zu ändern vermag. Wie wär’s mit dem Wetter? Zu kalt, zu warm, zu trocken, zu feucht, zu windig und ganz selten auch mal einfach schön. Vielleicht gab es Zeiten, zu denen das tatsächlich möglich war, aber das müssen Zeiten eines allmächtigen Gottes gewesen sein. Denn selbst im Mittelalter traute man den Juden bereits alles zu, wobei „alles“ sowohl die bösen Absichten als auch die Möglichkeiten dazu meinte, weshalb sie für so manche Witterungsperiode mit negativen Auswirkungen verantwortlich gemacht wurden. Das heutige Bedürfnis, alles ins Politische zu setzen – wobei hierfür nicht die geringste Ahnung von Politik nötig ist, schließlich sind wir DemokratInnen und da man über Wahrheit schlecht abstimmen kann, müssen es eben Meinungen sein – macht selbst harmlosen Wettersmalltalk zum politischen Offenbarungseid und ist nur der auf modern getrimmte Aberglaube sich permanent als Opfer und Betrogene wähnender Massen.

Spätestens seitdem jedeR etwas mit globalem Klimawandel, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zumindest irgendwas mit den Menschen zu tun hat und ganz sicher Einfluss auf diese hat und haben wird, anfangen kann, ist auch das Wetter politisch geworden. Gleichzeitig muss jeder Versuch, diesen Prozess um der Rettung des Wettersmalltalks willen aufzuhalten, genauso politisch sein, da man dabei weder an Klimahysterie noch Verschwörungstheorien und sowieso dem ganzen Meinungswahn vorbei kommt.

In den letzten Tagen konnte man in den Kommentarspalten aller größeren Onlinemedien den Reflex der Meinung, die sich gegen jede Erfahrung wehrt, beobachten. Nach acht Wochen Dauersiff bei zweistelligen Plusgraden schickte sich dieser Winter doch noch zum Befreiungsschlag an, um seinen Namen zu retten, was angesichts einer keineswegs alltäglichen Kältewelle in fast ganz Europa durchaus Nachrichtenwert hatte. Die Situation schrie gerade zu nach den so genannten „Klimaskeptikern“, zu denen selbst der einigermaßen ideologiekritische Henryk M. Broder, der nicht mal zwischen Wetter und Klima unterscheiden kann [1], zählt, obwohl er normalerweise mit Menschen, die von der zionistisch-amerikanischen Weltherrschaft und genozidalen Chemtrails faseln, nichts am Hut hat. Und so füllten sich die Spalten mit „So viel zur Klimaerwärmung“ und der entsprechenden dreistelligen Anzahl gereckter Daumen. Na wenn schon Broder nicht den Unterschied zwischen lokalem Wetter und globalem Klima kennt, was soll man da erwarten? Etwa die Einsicht, dass Deutschland auch 2012 noch nicht die Welt ist?

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paris

Unser Lesetipp (junge) Literatur für diese Woche:

es findet sich“ von paris.

Eine und die Kolumne

Gastkolumne von  wupperzeit

Wie Ihr wahrscheinlich am  Schwarzen Brett oder im  Jugendforum gelesen habt, sucht das Montagsteam, das für diese Jugendkolumne verantwortlich ist, erst einmal für den Februar junge Autoren, die daran interessiert sind, die Jugendkolumne nicht nur regelmäßig zu lesen, sondern selbst einmal eine zu schreiben. Der Initiator dieses Threads,  MagunSimurgh, hat als Thema das weite Feld „Universitätsalltag“ vorgeschlagen, – es ist aber das besondere Wesen dieser Kolumne, dass jeder Beitrag eines jungen Autoren veröffentlicht, zu jedem Thema, sofern er denn dem BGB und den Nutzungsbedingungen KVs nicht widerspricht.

Was eine  Kolumne eigentlich ist, darüber ist man sich nicht einig im Detail, einig ist man sich lediglich in der Charakterisierung als „Meinungsäußerung“, und bei der groben Festlegung der inhaltlichen Länge dieses Genres: „eine Zeitungsspalte“, das entspricht ungefähr einer Din A4-Seite, oder: einer Bildschirmseite. Im Unterschied zu einem Essay, beispielsweise, erwartet der Leser keine analytische Betrachtung oder gar eine dialektische, und im Unterschied zur Polemik, wieder: beispielsweise, keine wüste Beschimpfung. Die besten Kolumnen unterhalten den Leser in leichtem Plauderton, gerne humorvoll, und helfen ihm eben nicht belehrend oder besserwisserisch, eine Meinung zu einem Thema zu finden oder die eigene bestätigt zu bekommen. Auch als weiterer Grund, bei seiner Meinung zu bleiben, sollte diese konträr zu der eigenen sein. Die Kolumne bietet sich also als angenehm flexible Form an, seine Meinung zu äußern.

Berühmte Kolumnisten sind, beispielsweise, Alfred Kerr oder Kurt Tucholsky, momentan findet man lesenswerte Kolumnen auf  “Spiegel Online“. Sybille Berg, Sascha Lobo und so…Hier bei KV erscheint jeden Tag eine Kolumne, eine Team- oder Einzelkolumne, die sich mit den unterschiedlichsten Themen befassen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Kolumnen viel gelesen werden, die unseres eigenen Teams, des Sonntagsteams „keinthema“ haben selten weniger als 150 Leser am ersten Tag, leider werden Kolumnen aber eher spärlich kommentiert von den Lesern, und eine Diskussion über die veröffentlichten Texte entsteht eher selten. Das kann man natürlich auch optimistisch sehen: wenn keiner kommentiert, widerspricht auch keiner, man hat also Recht mit seiner Darstellung. Nun ja. Technisch gesehen liegen die Kolumnen auf einem Blog, der den üblichen Komfort KVs nicht in allen Bereichen anbietet, so zum Beispiel nicht in der Kommentierfunktion: man kann auf Beiträge der Leser nicht einzeln antworten, was auch ein Grund für die zumeist ausbleibenden Diskussionen sein könnte.

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